Nachdem ich in Patan ankam, blieb ich bis sieben Uhr am Bahnhof. Ich machte es mir in einer ruhigen Ecke auf einer Bank gemütlich und war gut zwei Stunden am Pennen.
Es wurde hell, ich machte das obligatorische Bahnhofsfoto und fuhr anschließend mit dem Tuk Tuk zum Hotel.
Ich checkte ein und brachte meine Rucksäcke auf das Zimmer. An der Rezeption hingen zwei Poster, eines vom Stufenbrunnen Rani Ki Vav und eines vom 33 Kilometer entfernten Sun Temple in Modhera.
Da 33 Kilometer in Indien ein Katzensprung sind und der Sun Temple in Modhera auf der Tentativliste der UNESCO steht, bestellte ich mir für zehn Uhr ein Taxi.
Pünktlich um zehn war das Taxi da, und ich gut 40 Minuten später in Modhera, einem kleinen Dorf, das seinen Strom ausschließlich über Solarpanele erzeugt und mittels Batteriespeicher zwischenspeichert.
Der Sun Temple wurde während der Herrschft des Solanki Königs Bhimadeva I. etwa um 1026-27 erbaut.

Sun Temple in Modhera
Er besteht aus drei Teilen, der erste die Garbhagriha mit angeschlossener oktagonalen Gudha-mandapa,

Garbhagriha und Gudha-mandapa
die zweite eine freistehende Sabha-mandapa mit einer Torana davor und

Sabha-mandapa
der dritte der Surya Kund, ein etwa 53 m (175 ft.) langer und knapp 37 m (120 ft.) breiter Stufenbrunnen mit zahlreichen Miniaturschreinen.
Beide Mandapas sind mit jeder Menge Götterfiguren bestückt.

Götterfiguren an der Gudha-mandapa
Die Eingänge sind mit filigran gestalteten Sandsteinbögen bestückt.

Eingangsbögen
Einen Blick zur Decke offenbart dem Besucher noch mehr handwerkliches Geschick der früheren Steinmetze.

Blick zur Decke
Der Abschluss der Säule ist mit verschiedenen Motiven verziert.

Säulenkapitell
In der Nähe des Stufenbrunnens sind zwei einzelstehende Säulen zu sehen.

zwei Säulen
Der Tempel befindet sich in einer Gartenanlage mit Bäumen und blühenden Sträuchern, die in der sommerlichen Hitze Schatten spenden.

Gartenanlage
In der Anlage sind Tempelfragmente und Figuren zu finden. Im Museum werden in Stein gehauene Götter präsentiert, die sich über einen Zeitraum vom 9. bis zum 15. Jahrhundert erstrecken.

Head of Vishnu, 9th CE
Während meines Rundgangs traf ich zwei Herren mit denen ich mich eine zeitlang unterhielt. Ebenso eine Gruppe junger Mädels, allesamt Studierende in Architektur und Elektroingenieurwesen, die von Ahmedabad hierher kamen.
Video zu Modhera – Sun Temple (Größe: 8 MB)
Zurück im Hotel ließ ich mich mit dem Tuk Tuk zum Bahnhof fahren und suchte drei der sieben Tore auf, das Bagvada Darwaja, das Chhindiya Darwaja sowie das Tran Darwaja.
Unterwegs machte ich noch einen Abstecher zum Trikam Barot Ni Vav, einen Stufenbrunnen der zwar auf privatem Grund steht, aber dennoch besucht werden kann.
Ich fragte höflich, wurde eingelassen und sprach mit einem jungen Mädchen, die einer alten Dame übersetzte.

der Stufenbrunnen Trikam Barot Ni Vav
Während ich den Brunnen fotografierte, gesellten sich fünf Knirpse dazu und wollten unbedingt fotografiert. Dazu stiegen sie in den verqualmten Stufenbrunnen hinab.
Die fünf Jungs hatten auf jeden Fall Spaß.
Video zu Patan – Trikam Barot Ni Vav (Größe: 5 MB)
Auf dem Weg zum Hotel entdeckte ich sechs alte muslimische Mausoleen mit ihren Kenotaphen, die sich in einem erbärmlichen Zustand befanden und von denen offenbar einige als Lagerraum für eine Werkstatt herhalten mussten.
In den verwinkelten Gassen von Patan gibt es viele weitere Dinge zu entdecken, sofern man seine Augen offen hält.

die Natur lässt sich nicht einzwängen
Nach diesen ersten Eindrücken fiel ich völlig kaputt ins Bett.
Morgen steht die Welterbestätte Rani Ki Vav und weitere Bauwerke in der Nähe des Stufenbrunnens auf dem Programm.
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