Vor einigen Monaten rief mich ein Kumpel an und fragte mich, ob ich noch Webseiten erstellen würde.

Eigentlich nur meine eigenen, käme aber drauf an. Er solle mir doch mal sein Anliegen schildern. Es ginge um Seiten für einen Verein, die seit Jahren nicht mehr aktualisiert worden sind und dringend überarbeitet werden müssten. Sie solle einfach gestaltet sein und der Aufwand zur Pflege müsse sich in Grenzen halten.

Mir fiel spontan WordPress ein und erklärte meinem Kumpel dessen Vorzüge als CMS. Einfache Menü- und Seitengestaltung, eben das volle Programm und für seine Zwecke ideal geeignet.

Schlussendlich sagte ich zu, weil ich ihm die Bitte nicht abschlagen wollte und der zeitliche Rahmen zum Erstellen der Seiten vertretbar erschien.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass ich das in meiner Freizeit neben meinem eigentlichen Job mache und eine Webagentur dafür nicht einmal einen Arbeitstag gebraucht hätte.

Nach ein paar weiteren Telefonaten hinsichtlich Text und Farbgestaltung sowie der nötigen Zugangsdaten, um auf den Server zugreifen zu können, stand dem Einrichten der Datenbank und der WordPressinstallation nichts mehr im Wege.

Zum Sichern der Datenbank installierte ich MySQLDumper.

Anschließend passte ich das Standardtheme und die StyleSheets an seine Bedürfnisse an, erstellte ein neues Headerbild sowie Seiten und Menüs entsprechend seinen Vorgaben. Ein paar Blindtexte als Lückenfüller, ein Impressum, ein paar Plugins und schon war nach knapp zwei Tagen die Grundstruktur dieser Seite fertig.

Um ihn in WordPress und den Dumper einzuweisen machte ich ihm das Angebot, an einem freien Wochenende zu ihm zu kommen.

Danach Funkstille.

Nach ein paar Mails dann die ernüchternde Mitteilung, er hätte da jetzt selber was, mit dem er die Seiten erstellen könne.

Die Frage was denn jetzt mit den in WordPress erstellten Seiten sei und wie er sich das weitere Vorgehen vorstelle blieb unbeantwortet. Das ich dementsprechend sauer war, liegt auf der Hand.

Die Krönung kam dann gestern während der Arbeit, die ich mehr als dreist empfand und mir den restlichen Tag versaute.

Offensichtlich war das Selbermachen nicht von Erfolg gekrönt und er dachte, da ich mich mit sowas auskenne, könne ich ihm Support frei Haus liefern.
Er hätte da ein Programm mit dem er die Seiten erstelle und sie sofort auf den Server übertragen könne. Außerdem hätte er mir eine Mail mit seinen gezippten Seiten (knapp 7 MB groß und ich wunderte mich schon, warum das iPhone so lange brauchte, die Mail zu laden) geschickt, mit dem Hinweis, ich solle sein, Zitat: “Machwerk“, mal begutachten.

Er hätte auch neue Seiten (statisch in .htm) sowie ein neues Menü (natürlich aus Grafiken) erstellt, worauf er sichtlich Stolz zu sein schien. Darüber hinaus hätte er die Seiten und Menüs in WordPress gelöscht, weil mit seinem Programm ginge es viel besser.

Mein Einwand zwecks Barrierefreiheit, Usability und kontrastreiche Farben für Farbfehlsichtige wurde mit einem gekonnten aber wirkungsvollen dann können die die Seite eben nicht sehen abgeschmettert.

Hallo mein Freund, falls Du Dich in diesem Artikel wiedererkennst, hier ein paar Zahlen und Fakten nur für Dich:

  • einer von 12 Männern leidet an einer Form der Farbfehlsichtigkeit,
  • eine von 250 Frauen leidet an einer Form der Farbfehlsichtigkeit.

Beweg Deinen verfluchten Arsch in den nächsten Bahnhof und zähle die Leute, damit Dir klar wird, wieviele Menschen Du von Deiner Seite ausschließt.

Nachdem ich mir zu Hause Deine tolle Seite angesehen habe, kann ich bestätigen, dass Blindheit und Augenkrebs garantiert sind.

Daher mein gut gemeinter Rat: SOFORT LÖSCHEN

Ach übrigens, da Du ja alles besser weißt, wirst Du sicherlich auch das Problem mit der fehlerhaften Seitendarstellung auf die Reihe kriegen. Auf meine Hilfe wirst Du jedenfalls künftig verzichten müssen.